Antares ist der auffällig rötlich leuchtende Hauptstern im Sternbild Skorpion. Er gehört zu den hellsten Sternen am Nachthimmel und ist in klaren Sommernächten auch mit bloßem Auge gut zu erkennen. Besonders markant ist seine warme, rote Farbe, durch die er sich deutlich von vielen weißlichen oder bläulich wirkenden Sternen unterscheidet.

Der Stern liegt ungefähr 550 Lichtjahre von der Erde entfernt. Astronomisch wird er als roter Überriese eingeordnet. Seine Oberfläche ist mit rund 3.500 Kelvin vergleichsweise kühl, zumindest im Vergleich zur Sonne mit knapp 5.800 Kelvin. Genau diese niedrigere Oberflächentemperatur sorgt für seine auffällige rote Farbe.

Antares ist kein einzelner Stern wie unsere Sonne, sondern Teil eines Doppelsternsystems. Der große rote Überriese wird als Antares A bezeichnet. Daneben gibt es einen deutlich heißeren, blauweißen Begleitstern: Antares B.

Video: allgemeine Einführung zu Sternen und ihrer Entwicklung.

Warum heißt Antares „Gegen-Mars“?

Der Name Antares stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Gegen-Ares“ oder „Rivale des Mars“. Ares war der griechische Kriegsgott; der römische Name dafür ist Mars.

Der Name passt gut, denn Antares und der Planet Mars können am Himmel beide auffällig rötlich erscheinen. Wenn Mars in der Nähe von Antares steht, sieht man besonders gut, warum der Stern diesen Namen bekommen hat. Antares leuchtet dann wie ein roter Fixstern, während Mars als rötlicher Planet durch das Sonnensystem wandert.

Die Position von Antares am Himmel

Antares ist der hellste Stern im Sternbild Skorpion und trägt deshalb auch die Bezeichnung Alpha Scorpii. Er markiert ungefähr das Herz des Skorpions und ist eines der auffälligsten Objekte dieses Sternbildes.

Von Mitteleuropa aus steht Antares allerdings recht niedrig über dem südlichen Horizont. Am besten lässt er sich im späten Frühjahr und im Sommer beobachten, vor allem in klaren Nächten mit freier Sicht nach Süden. Je weiter südlich man sich befindet, desto höher steigt das Sternbild Skorpion über den Horizont.

Auf der Südhalbkugel ist Antares deutlich besser sichtbar. Dort steht der Skorpion höher am Himmel und wirkt wesentlich eindrucksvoller als von Deutschland aus.

Antares liegt nur wenige Grad südlich der Ekliptik, also der scheinbaren Bahn, auf der sich Sonne, Mond und Planeten am Himmel bewegen. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Planeten wie Mars oder der Mond in seiner Nähe vorbeiziehen.

Größe und Helligkeit von Antares

Antares ist einer der bekanntesten roten Überriesen. Sein Radius wird auf mehrere Hundert Sonnenradien geschätzt. Die genauen Werte sind schwierig zu bestimmen, weil Antares eine ausgedehnte, bewegte Atmosphäre besitzt und keine scharf abgegrenzte Oberfläche wie ein fester Körper hat.

Würde Antares an der Stelle unserer Sonne stehen, würde er weit über die Bahn der inneren Planeten hinausragen. Je nach Modell würde seine aufgeblähte Sternhülle ungefähr bis in den Bereich der Marsbahn reichen oder sogar darüber hinaus.

Trotz seiner enormen Größe ist Antares sehr viel weniger dicht als die Sonne. Rote Überriesen sind stark aufgebläht: Sie besitzen ein riesiges Volumen, aber ihre äußeren Schichten sind sehr dünn verteilt.

Auch bei der Helligkeit muss man unterscheiden. Mit bloßem Auge erscheint Antares hell, aber nicht extrem blendend. Tatsächlich strahlt der Stern jedoch tausende Male stärker als die Sonne. Ein großer Teil seiner Energie wird im infraroten Bereich abgegeben, also als Wärmestrahlung, die für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.

Antares als roter Überriese

Antares befindet sich in einer späten Phase seines Sternenlebens. Er ist sehr viel massereicher als die Sonne und hat seinen inneren Brennstoff deutlich schneller verbraucht. Massive Sterne leben nicht so lange wie sonnenähnliche Sterne, weil sie ihren Brennstoff trotz größerer Vorräte viel schneller umsetzen.

Während unsere Sonne insgesamt mehrere Milliarden Jahre stabil leuchten kann, liegt die Lebensdauer massereicher Sterne eher im Bereich von Millionen Jahren. Antares ist vermutlich nur etwa 10 bis 15 Millionen Jahre alt und trotzdem bereits in einer späten Entwicklungsphase.

Der Stern verliert außerdem ständig Materie durch einen kräftigen Sternwind. Um Antares herum befindet sich deshalb ausgedehntes Gas und Staub, das aus seinen äußeren Schichten stammt. Solche Prozesse sind typisch für rote Überriesen kurz vor ihrem letzten großen Entwicklungsschritt.

Wird Antares als Supernova explodieren?

Sehr wahrscheinlich wird Antares eines Tages als Supernova enden. Dabei kollabiert der Kern eines massereichen Sterns, während die äußeren Schichten explosionsartig ins All geschleudert werden.

Von der Erde aus wäre eine solche Supernova ein außergewöhnlich helles Ereignis am Himmel. Trotzdem besteht keine Gefahr für die Erde, denn Antares ist dafür viel zu weit entfernt.

Wann genau Antares explodieren wird, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. In astronomischen Maßstäben kann „bald“ immer noch viele Tausend oder sogar Hunderttausende Jahre bedeuten. Für uns Menschen ist eine Supernova von Antares deshalb ein faszinierender Gedanke, aber kein konkret planbares Himmelsereignis.

Nach einer Supernova bleibt bei einem massereichen Stern kein Weißer Zwerg zurück. Je nach Masse des Sternkerns entsteht eher ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch.

Das Antares-Sternsystem

Antares besteht aus mindestens zwei Sternen: Antares A und Antares B. Antares A ist der große rote Überriese, den wir mit bloßem Auge als rötlichen Stern sehen.

Antares B ist ein heißer blauweißer Begleitstern. Er ist für sich betrachtet ebenfalls ein heller und massereicher Stern, wird aber vom Licht des roten Überriesen deutlich überstrahlt. Deshalb ist er nicht einfach zu beobachten.

Die beiden Sterne sind am Himmel nur wenige Bogensekunden voneinander getrennt. In Wirklichkeit beträgt ihr Abstand mehrere Hundert Astronomische Einheiten. Eine Astronomische Einheit entspricht ungefähr dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne.

Weil Antares A starke Sternwinde abgibt, befindet sich Antares B in einer ungewöhnlichen Umgebung aus Gas und Materie. Das macht das System für Astronomen besonders interessant.

Antares und Beteigeuze im Vergleich

Antares wird häufig mit Beteigeuze verglichen. Beide Sterne sind rote Überriesen, beide leuchten auffällig rötlich und beide befinden sich in einer späten Entwicklungsphase.

Beteigeuze steht im Sternbild Orion, Antares im Sternbild Skorpion. Am Himmel liegen diese beiden Sternbilder fast gegenüber. Deshalb sieht man Orion vor allem in Winternächten, während der Skorpion eher ein Sommersternbild ist.

Der Vergleich ist auch mythologisch interessant: In einer bekannten Sage wird Orion von einem Skorpion getötet. Am Himmel erscheinen Orion und Skorpion deshalb nie hoch zur gleichen Zeit. Wenn der Skorpion mit Antares aufgeht, verschwindet Orion bereits wieder.

Antares in Mythologie und Kultur

Antares war in vielen Kulturen ein besonderer Stern. Seine intensive rote Farbe und seine Position im Herzen des Skorpions machten ihn schon früh auffällig.

In der griechischen Antike wurde Antares mit dem Herzen des Skorpions verbunden. Auch lateinische und arabische Bezeichnungen beziehen sich auf diese Rolle als „Herz des Skorpions“.

In Persien gehörte Antares zu den sogenannten königlichen Sternen. Auch in der chinesischen Astronomie spielte er als roter „Feuerstern“ eine wichtige Rolle.

Bei den Māori in Neuseeland war Antares unter dem Namen Rehua bekannt. Dort wurde er ebenfalls mit wichtigen Himmels- und Kalenderbeobachtungen verbunden.

Kann man Antares selbst beobachten?

Ja, Antares lässt sich mit bloßem Auge beobachten, wenn der Himmel klar und der südliche Horizont frei ist. In Deutschland steht er allerdings niedrig. Häuser, Bäume, Dunst oder Lichtverschmutzung können die Beobachtung deshalb erschweren.

Ein Fernglas zeigt Antares bereits in einem schönen Sternfeld. Mit einem Teleskop wird besonders die Umgebung interessanter. In der Nähe von Antares liegt zum Beispiel der Kugelsternhaufen Messier 4, der bei dunklem Himmel und guter Sicht ein lohnendes Ziel ist.

Einzelne Sterne bleiben auch im Teleskop meist punktförmig, weil sie extrem weit entfernt sind. Trotzdem hilft ein Teleskop dabei, schwächere Sterne, Sternhaufen und Strukturen in der Umgebung sichtbar zu machen. Für solche Beobachtungen kommen je nach Anspruch zum Beispiel ein Linsenteleskop, ein Spiegelteleskop oder ein Dobson-Teleskop infrage.

Häufige Fragen zu Antares

Ist Antares größer als die Sonne?

Ja. Antares ist um ein Vielfaches größer als die Sonne. Sein Radius beträgt mehrere Hundert Sonnenradien. Die genaue Größe ist jedoch nur näherungsweise bestimmbar, weil seine äußere Atmosphäre sehr ausgedehnt ist.

Warum ist Antares rot?

Antares erscheint rot, weil seine Oberfläche für einen Stern vergleichsweise kühl ist. Blaue Sterne sind heißer, rote Sterne kühler. „Kühl“ bedeutet bei einem roten Überriesen aber immer noch mehrere Tausend Kelvin.

Ist Antares ein Planet?

Nein. Antares ist ein Stern. Er wird nur wegen seiner rötlichen Farbe oft mit Mars verglichen. Mars ist ein Planet und reflektiert Sonnenlicht, Antares leuchtet dagegen aus eigener Kraft.

Kann Antares für die Erde gefährlich werden?

Nein. Antares wird vermutlich irgendwann als Supernova enden, ist aber mehrere Hundert Lichtjahre entfernt. Für die Erde ist das nicht gefährlich.

Wann sieht man Antares am besten?

Von Mitteleuropa aus sieht man Antares am besten im späten Frühjahr und Sommer tief am südlichen Himmel. Je weiter südlich der Beobachtungsort liegt, desto besser ist der Stern zu sehen.