Pollux, auch Beta Geminorum genannt, ist der hellste Stern im Sternbild Zwillinge. Er gehört zu den auffälligsten Sternen des Winterhimmels und ist auch Teil des großen Wintersechsecks.
Mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa 1,15 mag ist Pollux sehr gut mit bloßem Auge sichtbar. Im Sternbild Zwillinge bildet er zusammen mit Castor die beiden markanten „Köpfe“ der Zwillinge. Obwohl Castor die Bezeichnung Alpha Geminorum trägt, ist Pollux der hellere der beiden Sterne.
Grundlegende Daten zu Pollux
Pollux ist ein orangefarbener Riesenstern der Spektralklasse K. Er hat die ruhige Hauptphase seines Sternenlebens bereits verlassen und sich deutlich ausgedehnt. Deshalb ist er heute viel größer als unsere Sonne.
Der Stern liegt ungefähr 34 Lichtjahre von der Erde entfernt. Damit gehört Pollux zu den näheren hellen Sternen. Unter den gut bekannten Riesensternen ist er sogar einer der nächsten Nachbarn der Sonne.
Pollux besitzt etwa knapp zwei Sonnenmassen und ungefähr den neunfachen Radius der Sonne. Seine Oberflächentemperatur liegt bei rund 4.800 Kelvin. Damit ist er kühler als die Sonne, deren Oberfläche knapp 5.800 Kelvin erreicht.
Weil Pollux größer ist als die Sonne, strahlt er insgesamt deutlich mehr Energie ab. Seine Leuchtkraft liegt bei einigen Dutzend Sonnenleuchtkräften. Für uns erscheint er aber nur als heller Sternpunkt, weil er viele Lichtjahre entfernt ist.
Warum ist Pollux orange?
Die Farbe eines Sterns hängt stark mit seiner Oberflächentemperatur zusammen. Sehr heiße Sterne leuchten bläulich oder weißlich. Sterne mit geringerer Oberflächentemperatur erscheinen gelblich, orange oder rötlich.
Pollux ist kühler als die Sonne und wirkt deshalb orange bis goldgelb. Die Bezeichnung „roter Riese“ wird für Sterne dieser Entwicklungsphase oft verwendet. Bei Pollux ist „orangefarbener Riese“ aber anschaulicher, weil er nicht tiefrot erscheint.
Auch andere bekannte Riesensterne zeigen auffällige Farben. Arktur wirkt ebenfalls orange, während Antares und Beteigeuze deutlich rötlicher erscheinen.
Wie alt ist Pollux?
Pollux ist jünger als unsere Sonne, aber bereits weiter entwickelt. Das klingt zunächst widersprüchlich, ist bei Sternen aber normal: Massereichere Sterne verbrauchen ihren Brennstoff schneller und entwickeln sich deshalb rascher.
Das Alter von Pollux wird je nach Modell ungefähr im Bereich von rund 1 bis 2 Milliarden Jahren angegeben. Damit ist er deutlich jünger als die Sonne mit etwa 4,6 Milliarden Jahren.
Weil Pollux mehr Masse besitzt als die Sonne, hat er die Hauptreihe schneller verlassen. Heute ist er ein Riesenstern mit ausgedehnten äußeren Schichten und einer deutlich geringeren mittleren Dichte als die Sonne.
Was wird aus Pollux?
Pollux ist nicht massereich genug, um als Supernova zu explodieren. Seine weitere Entwicklung wird deutlich ruhiger verlaufen als bei sehr massereichen Sternen wie Beteigeuze oder Deneb.
Im Lauf seiner weiteren Entwicklung wird Pollux wahrscheinlich noch mehr Materie aus seinen äußeren Schichten verlieren. Am Ende bleibt der heiße Kern zurück. Daraus entsteht ein Weißer Zwerg.
Ein Weißer Zwerg ist ein sehr dichter Sternrest. Er erzeugt keine neue Energie mehr durch Kernfusion im Inneren, sondern kühlt über sehr lange Zeiträume langsam aus. Auch unsere Sonne wird eines Tages auf ähnliche Weise enden.
Pollux und Castor als Zwillinge
Pollux und Castor prägen gemeinsam das Sternbild Zwillinge. Am Himmel stehen sie nahe beieinander und wirken deshalb wie ein zusammengehöriges Paar. Tatsächlich haben sie astronomisch jedoch wenig miteinander zu tun.
Pollux ist etwa 34 Lichtjahre entfernt. Castor liegt weiter entfernt und ist kein einzelner Stern, sondern ein Mehrfachsternsystem. Die scheinbare Nähe entsteht nur durch unsere Blickrichtung von der Erde aus.
Auch farblich unterscheiden sich die beiden deutlich. Pollux wirkt warm orange, Castor eher weißlich bis bläulich. Dieser Farbunterschied ist schon mit bloßem Auge erkennbar, wenn der Himmel klar genug ist.
Castor: ein ganzes Sternsystem
Während Pollux als einzelner Riesenstern gilt, ist Castor ein komplexes Mehrfachsystem. Es besteht aus mehreren Sternen, die gravitativ miteinander verbunden sind.
Schon in einem Teleskop lässt sich Castor unter guten Bedingungen in zwei helle Komponenten trennen. Weitere Begleiter sind spektroskopisch nachweisbar, also über feine Veränderungen im Licht der Sterne.
Pollux und Castor sind deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass Sternbilder optische Figuren sind. Zwei Sterne können am Himmel nebeneinanderstehen, obwohl sie in Wirklichkeit völlig unterschiedliche Entfernungen, Eigenschaften und Entwicklungsgeschichten besitzen.
Pollux in der Mythologie
In der griechischen Mythologie gehören Castor und Pollux zu den Dioskuren, den berühmten Zwillingsbrüdern. Pollux, im Griechischen Polydeukes, galt als unsterblich, Castor dagegen als sterblich.
Nach einer bekannten Erzählung starb Castor bei einem Streit. Pollux wollte nicht ohne seinen Bruder weiterleben und bat Zeus, seine Unsterblichkeit mit Castor teilen zu dürfen. Daraufhin wurden beide untrennbar miteinander verbunden und schließlich an den Himmel versetzt.
Diese Geschichte erklärt, warum die beiden hellen Sterne im Sternbild Zwillinge schon seit langer Zeit als Paar wahrgenommen werden.
Pollux b: der Planet Thestias
Um Pollux ist ein Exoplanet bekannt, der meist Pollux b oder HD 62509 b genannt wird. Sein offizieller Eigenname lautet Thestias. Er wurde über die Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt.
Dabei beobachten Astronomen winzige Bewegungen des Sterns. Ein Planet zieht mit seiner Schwerkraft leicht an seinem Stern. Dadurch scheint der Stern minimal zu „wackeln“. Aus solchen Messungen lassen sich Hinweise auf einen Planeten ableiten.
Pollux b ist ein Gasriese mit mindestens etwa zwei Jupitermassen. Er umkreist Pollux in etwa 1,6 Jahren und befindet sich in einem Abstand von ungefähr 1,6 Astronomischen Einheiten. Eine Astronomische Einheit entspricht dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne.
Ganz einfach ist die Deutung bei Pollux allerdings nicht. Der Stern zeigt auch eigene Aktivität, Schwingungen und ein schwaches Magnetfeld. Deshalb wurde diskutiert, ob ein Teil der gemessenen Signale auch vom Stern selbst stammen könnte. In Katalogen wird Pollux b dennoch als bekannter Exoplanet geführt.
Wäre Pollux b lebensfreundlich?
Pollux b ist sehr wahrscheinlich ein Gasriese. Eine feste Oberfläche wie auf der Erde hätte er also nicht. Schon deshalb wäre er kein erdähnlicher Planet.
Außerdem erhält der Planet deutlich mehr Strahlung von seinem Stern als die Erde von der Sonne. Pollux ist zwar kühler als die Sonne, aber wesentlich größer und leuchtkräftiger.
Als mögliches Ziel für Leben ist Pollux b daher nicht interessant. Spannend ist er vor allem, weil er einen entwickelten Riesenstern umkreist. Solche Systeme helfen Astronomen zu verstehen, wie Planeten die spätere Entwicklung ihrer Sterne überstehen können.
Pollux beobachten
Pollux ist von Deutschland aus sehr leicht zu beobachten. Besonders gut sieht man ihn im Winter und im frühen Frühjahr. Dann steht das Sternbild Zwillinge hoch am Abendhimmel.
Am einfachsten findet man Pollux über das Wintersechseck. Zu dieser großen Sternfigur gehören unter anderem Sirius, Prokyon, Rigel, Aldebaran, Capella und Pollux. In der Nähe steht außerdem Castor, der zweite helle Stern der Zwillinge.
Auch der Orion hilft bei der Orientierung: Wer Rigel und Beteigeuze findet, kann von dort aus weiter zu den hellen Sternen des Wintersechsecks wandern. Pollux fällt dabei durch seine warme orange Farbe auf.
Ein Teleskop ist nicht nötig, um Pollux zu sehen. Der Stern ist hell genug für das bloße Auge. Im Teleskop bleibt Pollux selbst punktförmig, doch die Region der Zwillinge bietet viele weitere Beobachtungsziele.
Die Ekliptik bei den Zwillingen
Durch das Sternbild Zwillinge verläuft die Ekliptik. Das ist die scheinbare Bahn, auf der sich Sonne, Mond und Planeten am Himmel bewegen.
Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Mond oder Planeten in der Nähe von Pollux und Castor stehen. Für Himmelsbeobachter sind solche Begegnungen besonders reizvoll, weil sie helle Orientierungspunkte mit beweglichen Objekten des Sonnensystems verbinden.
Häufige Fragen zu Pollux
Ist Pollux heller als Castor?
Ja. Obwohl Castor die Bezeichnung Alpha Geminorum trägt, ist Pollux der hellere Stern der Zwillinge.
Wie weit ist Pollux entfernt?
Pollux ist ungefähr 34 Lichtjahre von der Erde entfernt. Damit gehört er zu den näheren hellen Sternen.
Welche Farbe hat Pollux?
Pollux erscheint orange bis goldgelb. Das liegt an seiner vergleichsweise niedrigen Oberflächentemperatur.
Hat Pollux einen Planeten?
Ja, Pollux b beziehungsweise Thestias wird als Gasriese um Pollux geführt. Seine Existenz basiert auf Radialgeschwindigkeitsmessungen; einzelne Details werden wissenschaftlich weiter diskutiert.
Wann sieht man Pollux am besten?
Von Mitteleuropa aus ist Pollux besonders im Winter und frühen Frühjahr gut sichtbar. Er steht dann zusammen mit Castor im Sternbild Zwillinge hoch am Himmel.