Herbst

Birke im Herbst (Martin Mißfeldt, 1989, Öl auf Leinwand)

Es gibt drei verschiedene Methoden, um den Herbstanfang zu datieren.

  • Der kalendarische oder auch astronomische Herbstanfang richtet sich nach dem Stand der Sonne. Herbstanfang ist genau der Tag, an dem Tag (Helligkeit) und Nacht (Dunkelheit) exakt gleich lang sind (gemessen am Sonnenaufgang). Die Sonne überquert an diesem Tag eine imaginäre Linie, die senkrecht zum Äquator aufsteigt. Sie wandert in Richting Süden und leutet dort den Frühlingsbeginn ein. In diesem Jahr fällt dieser Zeitpunkt auf den 22. September.
  • Der meteorologische Herbstanfang ergibt sich aus statistischen Werten der Wetteraufzeichnungen. Dabei zeigte sich, dass es Ende August meist zu einem Wetterumschwung kommt. Weil die Meteorologen ihre Jahreszeiten immer zu Beginn eines Monats starten lassen, liegt der meteorologische Herbstaanfang immer auf den 1. September eines Jahres.
  • Der phänologische Herbstanfang richtet sich nach nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen. Er lässt sich nicht auf einen exakten Tag terminieren. Stattdessen zeigt die Entwicklung von Blüten und Früchten an, ob sie früher oder später reifen (verglichen mit Beobachtungen der vergangenen Jahre). Der phänologische Herbstanfang lässt sich auch deshalb nicht auf einen Tag festlegen, weil es klimatisch bedingt natürlich zu regionalen Unterschieden kommt.

 

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Jahreszeiten

In unseren gemäßigten Breiten (Mitteleuropa) kennen wir 4 Jahreszeiten. Ursache der Jahreszeiten ist die um 23° geneigte Erde (orientiert an der scheibenförmigen Bahn um die Sonne). Die Jahreszeiten werden jeweils durch astronomische Ereignisse (Sonnenstände) eingeleitet:

  • Frühling (Frühlingsanfang: 20./21. März, Übergang der Sonne von der Südhalbkugel zur Nordhalbkugel)
  • Sommer (Sommeranfang: 21. Juni, längster Tag, Sonnenwende)
  • Herbst (Herbstanfang: 22./23. September, Übergang der Sonne von der Nordhalbkugel zur Südhalbkugel)
  • Winter (Winteranfang: 21. Dezember, kürzester Tag, Sonnenwende)
Jahreszeiten

Jahreszeiten – mit Herbstanfang (unten)

Herbsttagundnachtgleiche

Wie erwähnt, fällt der astronomische Herbstanfang auf den Tag der Herbsttagundnachtgleiche (Äquinoktium = Tagundnachtgleiche). Das ist der Tag, an dem Tag und Nacht exakt gleich lang sind, nämlich 12 Stunden. Man kann auch sagen: die Sonne überschreitet in dem Moment den Äquator bzw. eine senkrecht zum Äquator stehende Scheibe. Während sie sich im Sommer über der Nordhalbkugel befand, wandert sie nun über den Äquator und befindet sich über der Südhalbkugel der Erde. Die Herbsttagundnachtgleiche ist auf der Südhalbkugel entsprechend Frühlingsbeginn.

  • Den Zeitpunkt der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche nennt man Primaräquinoktium.
  • Den Zeitpunkt der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche nennt man Sekundaräquinoktium.

Wenn bei uns Sommer ist, ist in den gemäßigten Breiten der Südhalbkugel Winter, und andersherum. Auf der folgenden Grafik sieht man, wann die Sonne jeweils auf und untergeht. Am 22. / 23. September geht sie morgens um 6 Uhr (wegen Sommerzeit erst um 7 Uhr) auf und abends um 18 Uhr (wegen Sommerzeit erst um 19 Uhr) unter.

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche
Grafik: Zlatko Krastev, Quelle: Wikipedia

Verschiebung des Herbstanfangs

Interessanterweise verschiebt sich der Herbstanfang von Jahr zu Jahr. Er kann auf den 21., aber auch auf den 22. oder 23 September fallen. Der Grund liegt darin, dass die Erde für einen Umlauf um die Sonne nicht exakt 365 Tage braucht, sondern 365,2422 Tage, also rund: 365 Tage und 6 Stunden. Alle vier Jahre wird das durch ein Schaltjahr ausgeglichen – aber es passt eben nicht so ganz. Trotz der Einführung des Schaltjahres fehlen jedes Jahr ein paar Minuten. Auf Jahrzehnte und Jahrhunderte gerechnet kommt es so zu einer relativ deutlichen Verschiebung. Die folgende Grafik veranschaulicht das:

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche

Verschiebung der Herbstanfangs – Grafik: Frank Klemm, CC-BY-SA, Quelle: Wikipedia

Alle hundert Jahre wird die entstehende Differenz korrigiert. Die Zickzack-Bewegung kommt dadurch zustande, dass die astronomisches Zeit von Jahr zu Jahr quasi um 6 Stundenzurückgestellt wird – allerdings alle vierJahre um 24 Stunden vorgestellt wird.

Bauernweisheit des Tages

„Proserpina nach Dante Gabriel Rossetti“
Martin Mißfeldt, 2006, Gouache auf Papier
„Macht der August uns heiß, so bringt der Winter viel Eis!“