Der Herbstanfang fällt in Deutschland astronomisch meist auf den 22. oder 23. September. An diesem Tag erreicht die Sonne den Himmelsäquator und wandert scheinbar von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel. Dieses Ereignis nennt man Herbst-Tagundnachtgleiche oder September-Äquinoktium.
Mit dem Herbstanfang werden die Tage auf der Nordhalbkugel spürbar kürzer. Die Sonne steht mittags niedriger über dem Horizont, die Nächte werden länger, und die Natur bereitet sich langsam auf die kalte Jahreszeit vor.
Allerdings gibt es nicht nur einen einzigen „richtigen“ Herbstanfang. Je nach Betrachtung unterscheidet man zwischen astronomischem, meteorologischem und phänologischem Herbstbeginn.
Astronomischer Herbstanfang
Der astronomische oder kalendarische Herbstanfang richtet sich nach dem Stand der Sonne. Er fällt auf die September-Tagundnachtgleiche. Dabei überschreitet die Sonne scheinbar den Himmelsäquator von Norden nach Süden.
Auf der Nordhalbkugel beginnt damit der Herbst. Auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt: Dort beginnt zur gleichen Zeit der Frühling. Unser Herbstanfang ist also gleichzeitig der Frühlingsanfang auf der Südhalbkugel.
Der genaue Zeitpunkt verschiebt sich von Jahr zu Jahr etwas. In Mitteleuropa liegt der astronomische Herbstanfang meist am 22. oder 23. September. Der Grund dafür ist, dass unser Kalenderjahr nicht exakt der Dauer eines Sonnenjahres entspricht.
Sind Tag und Nacht beim Herbstanfang genau gleich lang?
Der Begriff Tagundnachtgleiche klingt so, als wären Tag und Nacht an diesem Datum überall exakt gleich lang. Ganz exakt stimmt das in der Praxis nicht.
Astronomisch geht es beim Äquinoktium um den Moment, in dem die Sonne den Himmelsäquator überschreitet. Für unsere alltägliche Beobachtung ist der helle Tag am Herbstanfang meist noch etwas länger als die Nacht.
Das liegt an zwei Effekten: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang werden nach dem oberen Rand der Sonnenscheibe bestimmt, nicht nach ihrem Mittelpunkt. Außerdem hebt die Erdatmosphäre das Sonnenbild optisch etwas an. Dadurch sehen wir die Sonne etwas früher aufgehen und etwas später untergehen.
Der Tag, an dem Helligkeit und Dunkelheit an einem bestimmten Ort wirklich fast gleich lang sind, liegt deshalb meist einige Tage nach dem Herbst-Äquinoktium. Dieser Zeitpunkt wird manchmal als Equilux bezeichnet.
Meteorologischer Herbstanfang
Der meteorologische Herbst beginnt immer am 1. September. Meteorologen teilen das Jahr aus statistischen Gründen in vier feste Jahreszeiten von jeweils drei Monaten ein.
Der meteorologische Herbst umfasst September, Oktober und November. Dadurch lassen sich Wetterdaten, Temperaturmittel, Niederschlagsmengen und Klimawerte besser miteinander vergleichen.
Mit dem tatsächlichen Wetter muss das nicht immer zusammenpassen. Ein warmer September kann sich noch wie Spätsommer anfühlen, während ein kühler August bereits herbstlich wirken kann.
Phänologischer Herbstanfang
Der phänologische Herbst richtet sich nach der Natur. Er hat kein festes Datum, sondern wird anhand von Pflanzenentwicklung und Naturbeobachtungen bestimmt.
Typische Zeichen sind reifende Früchte, verfärbtes Laub, fallende Blätter, spätere Blütezeiten oder das Verhalten von Tieren. Auch die Ernte vieler Früchte und Samen gehört in diese Phase.
Der phänologische Herbst beginnt regional unterschiedlich. In höheren Lagen oder kühleren Regionen setzt er oft früher ein als in milden Gegenden.
Warum gibt es Jahreszeiten?
Die Jahreszeiten entstehen durch die Neigung der Erdachse. Die Rotationsachse der Erde ist um etwa 23,5 Grad geneigt. Während die Erde die Sonne umkreist, wird dadurch einmal die Nordhalbkugel stärker beleuchtet und ein anderes Mal die Südhalbkugel.
Im Herbst nimmt die direkte Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel ab. Die Sonne steigt mittags nicht mehr so hoch, die Tage werden kürzer, und die Nächte werden länger.
- Frühling: beginnt astronomisch um den 20. März zur Tagundnachtgleiche. Mehr dazu: Frühlingsanfang.
- Sommer: beginnt astronomisch um den 20./21. Juni zur Sommersonnenwende. Das ist der längste Tag des Jahres auf der Nordhalbkugel.
- Herbst: beginnt astronomisch meist am 22. oder 23. September zur Tagundnachtgleiche.
- Winter: beginnt astronomisch meist am 21. oder 22. Dezember zur Wintersonnenwende. Mehr dazu: Winteranfang.
Herbst-Tagundnachtgleiche einfach erklärt
Die Herbst-Tagundnachtgleiche wird auch September-Äquinoktium genannt. „Äquinoktium“ bedeutet sinngemäß „gleiche Nacht“. Gemeint ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator überschreitet.
Man kann sich den Himmelsäquator als gedachte Linie am Himmel vorstellen. Er ist die Verlängerung des Erdäquators in den Weltraum. Wenn die Sonne diese Linie im September von Norden nach Süden überschreitet, beginnt auf der Nordhalbkugel astronomisch der Herbst.
Im März passiert das Gegenteil: Die Sonne überschreitet den Himmelsäquator von Süden nach Norden. Dann beginnt auf der Nordhalbkugel der Frühling.

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche
Grafik: Zlatko Krastev, Quelle: Wikipedia
Warum verschiebt sich der Herbstanfang?
Der Herbstanfang fällt nicht jedes Jahr exakt auf denselben Kalendertag. Das liegt daran, dass die Erde für einen Umlauf um die Sonne nicht genau 365 Tage braucht, sondern etwas mehr.
Ein Sonnenjahr dauert ungefähr 365 Tage, 5 Stunden und 49 Minuten. Unser Kalender rundet aber auf ganze Tage. Deshalb verschiebt sich der Zeitpunkt des Herbst-Äquinoktiums von Jahr zu Jahr leicht.
Schaltjahre gleichen diesen Unterschied regelmäßig aus. Dadurch entsteht ein Muster, bei dem der Herbstanfang im Kalender hin und her springt. In Deutschland liegt er derzeit meistens am 22. oder 23. September.
Warum wird es nach dem Herbstanfang kälter?
Nach dem Herbstanfang werden die Tage kürzer, und die Sonne steht mittags immer niedriger. Dadurch erreicht weniger Sonnenenergie den Boden.
Trotzdem wird es nicht sofort überall kalt. Böden, Gewässer und Luftmassen speichern noch Wärme aus dem Sommer. Deshalb kann der September oft noch spätsommerlich sein.
Erst im weiteren Verlauf des Herbstes kühlen Luft, Boden und Wasser stärker ab. Die Nächte werden länger, Frost wird wahrscheinlicher, und die Vegetation stellt sich zunehmend auf den Winter ein.
Herbstanfang beobachten
Den Herbstanfang kann man nicht als plötzliches Ereignis sehen wie eine Sonnenfinsternis. Trotzdem lässt er sich gut beobachten, wenn man auf Sonnenstand, Tageslänge und Natur achtet.
Rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche geht die Sonne ungefähr im Osten auf und ungefähr im Westen unter. Danach verschieben sich Auf- und Untergangspunkt weiter nach Süden.
Auch der Sternenhimmel verändert sich. Die Sommersternbilder wandern abends langsam Richtung Westen, während Herbst- und Wintersternbilder immer früher sichtbar werden.
Herbst am Sternenhimmel
Der Herbst ist für Sternfreunde eine spannende Übergangszeit. Die Nächte werden länger, aber es ist oft noch nicht so kalt wie im Winter.
Am Abend ist das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Altair noch sichtbar. Später rücken typische Herbststernbilder wie Pegasus, Andromeda, Fische und Wassermann stärker in den Mittelpunkt.
Ein besonders bekanntes Ziel im Herbst ist die Andromedagalaxie. Sie ist bei dunklem Himmel sogar mit bloßem Auge als schwacher Lichtfleck erkennbar. Mit Fernglas oder einfachem Teleskop wird sie deutlich leichter sichtbar.
Häufige Fragen zum Herbstanfang
Wann ist Herbstanfang?
Der astronomische Herbstanfang ist auf der Nordhalbkugel meist am 22. oder 23. September. Der meteorologische Herbst beginnt immer am 1. September.
Was ist die Herbst-Tagundnachtgleiche?
Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator von Norden nach Süden überschreitet. Damit beginnt auf der Nordhalbkugel der astronomische Herbst.
Sind Tag und Nacht am Herbstanfang exakt gleich lang?
Nicht ganz. Wegen der Größe der Sonnenscheibe und der Lichtbrechung in der Atmosphäre ist der Tag meist noch etwas länger als die Nacht.
Warum gibt es Herbst?
Der Herbst entsteht durch die Neigung der Erdachse. Nach dem Sommer bekommt die Nordhalbkugel weniger direkte Sonnenstrahlung, die Tage werden kürzer und die Sonne steht niedriger.
Was ist der Unterschied zwischen astronomischem und meteorologischem Herbst?
Der astronomische Herbst richtet sich nach dem Sonnenstand und beginnt zur September-Tagundnachtgleiche. Der meteorologische Herbst beginnt aus statistischen Gründen immer am 1. September.

