Beteigeuze, auch Betelgeuse oder Alpha Orionis genannt, ist einer der bekanntesten Sterne am Winterhimmel. Er gehört zum Sternbild Orion und markiert dort die auffällig rötlich leuchtende Schulter des Himmelsjägers.

Der Stern ist mit bloßem Auge gut zu erkennen. Besonders in klaren Winternächten fällt Beteigeuze durch seine warme orange-rote Farbe auf. Er gehört zu den hellsten Sternen am Himmel, wobei seine genaue Rangfolge schwankt, weil Beteigeuze ein veränderlicher Stern ist.

Beteigeuze ist ein roter Überriese. Das bedeutet: Der Stern ist extrem groß, sehr leuchtkräftig und befindet sich in einer späten Phase seines Sternenlebens. Eines Tages wird er vermutlich als Supernova explodieren. Für die Erde besteht dabei aber keine Gefahr.

Der Stern Beteigeuze

Der Stern Beteigeuze

Der Name Beteigeuze

Der Name Beteigeuze geht wahrscheinlich auf arabische Sternbezeichnungen zurück. Im Lauf der Jahrhunderte kam es bei Abschriften und Übersetzungen zu unterschiedlichen Schreibweisen und Deutungen. Deshalb ist der Stern im Deutschen als Beteigeuze bekannt, international aber häufig als Betelgeuse.

In der Astronomie trägt er außerdem die Bayer-Bezeichnung Alpha Orionis. Das klingt zunächst so, als müsste er der hellste Stern im Orion sein. Tatsächlich ist jedoch Rigel häufig heller. Weil Beteigeuze seine Helligkeit verändert, kann sich der optische Eindruck aber im Lauf der Zeit verschieben.

Beteigeuze im Sternbild Orion

Beteigeuze liegt im Sternbild Orion, einem der auffälligsten Sternbilder am Nachthimmel. Von Mitteleuropa aus ist Orion vor allem im Herbst, Winter und frühen Frühjahr gut sichtbar. Besonders schön steht er in den Wintermonaten am Abendhimmel.

Im Orion markiert Beteigeuze die Schulter des Himmelsjägers. Rigel bildet dagegen einen der hellen Fußsterne. Zusammen mit Sirius im Großen Hund und Procyon im Kleinen Hund gehört Beteigeuze außerdem zum sogenannten Winterdreieck.

Auch im Wintersechseck spielt Beteigeuze eine wichtige Rolle, auch wenn sie nicht zu den sechs Eckpunkten gezählt wird. Durch ihre rötliche Farbe ist sie innerhalb dieser hellen Winterregion besonders leicht zu erkennen.

Wie weit ist Beteigeuze entfernt?

Die Entfernung zu Beteigeuze ist erstaunlich schwierig zu bestimmen. Bei vielen Sternen lässt sich die Entfernung über ihre scheinbare Verschiebung am Himmel messen. Bei Beteigeuze ist das komplizierter, weil der Stern riesig, veränderlich und von ausgedehnter Materie umgeben ist.

Je nach Messmethode und Modell liegen moderne Angaben grob im Bereich von einigen Hundert Lichtjahren. Häufig werden Werte um etwa 500 bis 700 Lichtjahre genannt. Exakter sollte man es in einem allgemeinen Ratgeberartikel nicht formulieren, weil die Werte tatsächlich mit Unsicherheiten behaftet sind.

Ein Lichtjahr ist die Strecke, die Licht in einem Jahr zurücklegt. Da Licht sich mit rund 300.000 Kilometern pro Sekunde bewegt, entspricht schon ein einziges Lichtjahr einer kaum vorstellbaren Entfernung. Mehr dazu findest du im Artikel zur Lichtgeschwindigkeit.

Wenn wir Beteigeuze heute sehen, sehen wir also Licht, das vor Jahrhunderten vom Stern ausgesendet wurde. Der Blick in den Sternenhimmel ist immer auch ein Blick in die Vergangenheit.

Ein roter Überriese kurz vor dem Ende?

Beteigeuze ist kein gewöhnlicher Stern wie unsere Sonne. Er ist ein roter Überriese und damit ein sehr massereicher Stern in einer späten Entwicklungsphase.

Solche Sterne verbrauchen ihren Brennstoff viel schneller als kleinere Sterne. Während unsere Sonne viele Milliarden Jahre relativ stabil leuchtet, leben massereiche Sterne deutlich kürzer. Dafür entwickeln sie sich dramatischer.

Beteigeuze hat seine äußeren Schichten stark aufgebläht. Deshalb ist er heute riesig. Würde Beteigeuze an der Stelle unserer Sonne stehen, würde seine äußere Hülle weit über die inneren Planeten hinausreichen. Je nach Modell läge seine Ausdehnung sogar bis in den Bereich der Jupiterbahn.

Für das Sonnensystem wäre das natürlich katastrophal: Merkur, Venus, Erde, Mars und möglicherweise auch der Bereich bis Jupiter würden innerhalb oder nahe der aufgeblähten Sternhülle liegen.

Wird Beteigeuze als Supernova explodieren?

Ja, sehr wahrscheinlich wird Beteigeuze eines Tages als Supernova enden. Dabei kollabiert der Kern eines massereichen Sterns, während die äußeren Schichten explosionsartig ins All geschleudert werden.

Wann das passiert, weiß niemand genau. In astronomischen Maßstäben kann „bald“ bedeuten: in Tausenden, Zehntausenden oder sogar Hunderttausenden Jahren. Für uns Menschen ist eine Supernova von Beteigeuze deshalb kein konkret vorhersagbares Ereignis.

Wenn es irgendwann so weit ist, dürfte Beteigeuze am Himmel extrem hell werden. Möglicherweise wäre die Supernova sogar am Taghimmel sichtbar. Für die Erde besteht nach heutigem Stand aber keine Gefahr, weil Beteigeuze weit genug entfernt ist.

Nach der Supernova bleibt bei einem massereichen Stern wahrscheinlich ein Neutronenstern zurück. Ob auch ein Schwarzes Loch möglich wäre, hängt von der genauen Masse und Entwicklung des Sternkerns ab. Bei Beteigeuze wird häufig eher ein Neutronenstern erwartet.

Das große Abdunkeln von Beteigeuze

Besonders viel Aufmerksamkeit bekam Beteigeuze Ende 2019 und Anfang 2020. Damals wurde der Stern deutlich dunkler als gewöhnlich. Dieses Ereignis wird oft als „Great Dimming“ bezeichnet.

Zunächst wurde spekuliert, ob dieses Abdunkeln ein Vorzeichen einer baldigen Supernova sein könnte. Spätere Beobachtungen deuteten jedoch auf eine andere Erklärung hin: Beteigeuze hatte offenbar heißes Material ausgestoßen. Dieses Material kühlte ab, bildete Staub und verdeckte einen Teil des Sternenlichts.

Das Ereignis war trotzdem wissenschaftlich sehr wertvoll. Astronomen konnten beobachten, wie sich die Oberfläche und Umgebung eines roten Überriesen innerhalb weniger Wochen und Monate sichtbar veränderten.

Warum erscheint Beteigeuze rot?

Beteigeuze erscheint rot bis orange, weil seine Oberfläche für einen Stern vergleichsweise kühl ist. Sehr heiße Sterne leuchten eher bläulich oder weißlich. Kühlere Sterne wirken gelblich, orange oder rötlich.

„Kühl“ ist dabei natürlich relativ. Die Oberfläche von Beteigeuze ist immer noch mehrere Tausend Kelvin heiß. Sie ist aber deutlich kühler als die Oberfläche der Sonne.

Schon früh fiel Beobachtern die Farbe von Beteigeuze auf. Historische Beschreibungen sind dabei nicht immer eindeutig. Mal wird der Stern eher rötlich, mal eher gelblich oder orange beschrieben. Das kann an der Wahrnehmung, an atmosphärischen Bedingungen und an tatsächlichen Helligkeits- und Farbveränderungen des Sterns liegen.

Warum schwankt die Helligkeit von Beteigeuze?

Beteigeuze ist ein veränderlicher Stern. Seine Helligkeit bleibt also nicht völlig konstant. Der Stern pulsiert, besitzt riesige Konvektionszellen und verliert ständig Materie in seine Umgebung.

Diese Vorgänge können dazu führen, dass Beteigeuze mal heller und mal schwächer erscheint. Hinzu kommt die Erdatmosphäre: Gerade bei hellen Sternen fällt das Funkeln besonders auf, wenn das Sternenlicht durch unruhige Luftschichten läuft.

Bei Beteigeuze ist die Veränderlichkeit aber nicht nur ein atmosphärischer Effekt. Der Stern selbst ist tatsächlich aktiv und unruhig. Genau deshalb ist er für die Forschung so interessant.

Beteigeuze und seine Umgebung

Beteigeuze verliert laufend Materie durch Sternwind und größere Auswürfe. Um den Stern herum befinden sich deshalb Gas, Staub und mehrere Hüllen aus ausgestoßener Materie.

Solche Strukturen sind schwer zu beobachten, zeigen aber, wie rote Überriesen ihre Umgebung mit Material anreichern. Viele schwere Elemente, aus denen später neue Sterne, Planeten und vielleicht auch lebensfreundliche Welten entstehen können, werden durch solche Prozesse ins All verteilt.

Beteigeuze bewegt sich außerdem mit hoher Geschwindigkeit durch den Raum. Vor dem Stern bildet sich eine Art Bugwelle im interstellaren Medium, ähnlich wie bei einem Schiff, das durch Wasser fährt.

Hat Beteigeuze Planeten?

Bislang sind keine Planeten um Beteigeuze sicher bekannt. Das ist auch nicht überraschend. Bei einem so großen, veränderlichen und aufgeblähten Stern sind mögliche Planeten sehr schwer nachzuweisen.

Außerdem wäre die Umgebung eines roten Überriesen für stabile, lebensfreundliche Planeten äußerst ungünstig. Der Stern hat sich im Lauf seiner Entwicklung stark verändert und seine äußeren Schichten enorm ausgedehnt.

Für den Vergleich mit unserem Planetensystem ist Beteigeuze trotzdem spannend: Er zeigt, wie unterschiedlich Sterne sein können und wie stark die Entwicklung eines Sterns die Bedingungen in seiner Umgebung bestimmt.

Beteigeuze beobachten

Beteigeuze ist eines der einfachsten Ziele für Einsteiger in die Himmelsbeobachtung. Man braucht kein Teleskop, um ihn zu sehen. Ein klarer Himmel und die Orientierung am Sternbild Orion reichen aus.

Am leichtesten findest du zuerst die drei Gürtelsterne des Orion. Sie stehen fast in einer geraden Linie. Oberhalb beziehungsweise links davon, je nach Uhrzeit und Blickrichtung, befindet sich der auffällig rötliche Stern Beteigeuze.

Mit einem Fernglas erscheint Beteigeuze weiterhin punktförmig, aber seine Farbe fällt oft noch deutlicher auf. Auch in einem Teleskop bleibt der Stern für Amateurbeobachter im Wesentlichen ein Lichtpunkt, weil er trotz seiner gewaltigen Größe sehr weit entfernt ist.

Ein Teleskop lohnt sich in der Orion-Region trotzdem. In der Nähe befinden sich viele interessante Ziele, vor allem der Orionnebel. Wer den Winterhimmel beobachten möchte, findet mit einem einfachen Linsenteleskop, Spiegelteleskop oder Dobson-Teleskop schnell lohnende Objekte.

Beteigeuze in Mythologie und Kultur

Das Sternbild Orion war bereits im Altertum bekannt und wurde in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gedeutet. Häufig wurde es als Jäger, Krieger, Tierfigur oder markante Himmelsgestalt verstanden.

Beteigeuze spielte dabei wegen seiner Helligkeit und Farbe eine besondere Rolle. Als Schulterstern des Orion ist er einer der auffälligsten Punkte der Figur.

Auch heute gehört Beteigeuze zu den bekanntesten Sternnamen überhaupt. Das liegt nicht nur an seiner Sichtbarkeit, sondern auch an seiner ungewöhnlichen Natur als naher, riesiger und veränderlicher roter Überriese.

Häufige Fragen zu Beteigeuze

Ist Beteigeuze größer als die Sonne?

Ja. Beteigeuze ist um ein Vielfaches größer als die Sonne. Er ist ein roter Überriese und so stark aufgebläht, dass er an der Stelle der Sonne weit über die inneren Planeten hinausreichen würde.

Kann man Beteigeuze mit bloßem Auge sehen?

Ja. Beteigeuze ist ein heller Stern im Sternbild Orion und von Deutschland aus besonders im Winter sehr gut mit bloßem Auge sichtbar.

Warum ist Beteigeuze rot?

Beteigeuze erscheint rot bis orange, weil seine Oberfläche vergleichsweise kühl ist. Die Farbe eines Sterns hängt eng mit seiner Oberflächentemperatur zusammen.

Explodiert Beteigeuze bald?

Beteigeuze wird sehr wahrscheinlich eines Tages als Supernova explodieren. Wann das passiert, ist aber unbekannt. Es kann noch sehr lange dauern.

Ist eine Supernova von Beteigeuze gefährlich für die Erde?

Nein. Beteigeuze ist weit genug entfernt. Eine Supernova wäre ein spektakuläres Himmelsereignis, aber nach heutigem Wissen keine Gefahr für das Leben auf der Erde.