Der Winteranfang fällt in Deutschland meist auf den 21. oder 22. Dezember. An diesem Tag findet die Wintersonnenwende statt: Die Sonne erreicht auf der Nordhalbkugel ihren tiefsten Stand des Jahres, und wir erleben den kürzesten Tag sowie die längste Nacht.

Ab der Wintersonnenwende werden die Tage langsam wieder länger. Das merkt man zunächst kaum, doch astronomisch ist der Wendepunkt erreicht: Die Sonne steigt von Tag zu Tag wieder etwas höher über den Horizont.

Wichtig ist: Der Winter beginnt nicht deshalb, weil die Erde dann besonders weit von der Sonne entfernt wäre. Tatsächlich steht die Erde Anfang Januar sogar vergleichsweise nah an der Sonne. Die Jahreszeiten entstehen durch die Neigung der Erdachse.

Was passiert bei der Wintersonnenwende?

Bei der Wintersonnenwende ist die Nordhalbkugel der Erde am stärksten von der Sonne weg geneigt. Deshalb verläuft die tägliche Bahn der Sonne bei uns besonders flach über den Himmel.

Für Deutschland bedeutet das: Die Sonne geht spät auf, erreicht mittags nur einen niedrigen Höchststand und geht früh wieder unter. Dadurch ist der Tag besonders kurz, und die Nacht ist besonders lang.

Gleichzeitig ist auf der Südhalbkugel Sommer. Dort erreicht die Sonne ihren höchsten Stand, und es ist der längste Tag des Jahres.

Warum gibt es Jahreszeiten?

In Mitteleuropa kennen wir vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie entstehen, weil die Rotationsachse der Erde um etwa 23,5 Grad geneigt ist.

Während die Erde die Sonne umkreist, ist dadurch einmal die Nordhalbkugel stärker zur Sonne geneigt und ein anderes Mal die Südhalbkugel. Dadurch ändern sich Sonnenstand, Tageslänge und die Menge der eingestrahlten Sonnenenergie.

Jahreszeiten mit Winteranfang und Sonnenwende

Jahreszeiten: Winteranfang, Frühling, Sommer und Herbst

  • Frühling: beginnt astronomisch um den 20./21. März zur Tagundnachtgleiche. Dann sind Tag und Nacht ungefähr gleich lang. Mehr dazu: Frühlingsanfang.
  • Sommer: beginnt astronomisch um den 20./21. Juni zur Sommersonnenwende. Das ist auf der Nordhalbkugel der längste Tag des Jahres.
  • Herbst: beginnt astronomisch um den 22./23. September zur Tagundnachtgleiche. Mehr dazu: Herbstanfang.
  • Winter: beginnt astronomisch meist am 21. oder 22. Dezember zur Wintersonnenwende. Das ist der kürzeste Tag des Jahres.

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche

Sonnenwende und Tagundnachtgleiche
Grafik: Zlatko Krastev, Quelle: Wikipedia

Astronomischer, meteorologischer und phänologischer Winteranfang

Der Winteranfang kann auf verschiedene Arten bestimmt werden. Deshalb liest man manchmal unterschiedliche Daten.

Astronomischer Winteranfang

Der astronomische oder kalendarische Winteranfang richtet sich nach dem Stand der Sonne. Er fällt auf die Wintersonnenwende. Auf der Nordhalbkugel ist das der kürzeste Tag des Jahres.

In Deutschland liegt dieser Zeitpunkt meist am 21. Dezember, manchmal auch am 22. Dezember. Der genaue Zeitpunkt ändert sich von Jahr zu Jahr, weil Kalenderjahr und Sonnenjahr nicht exakt gleich lang sind.

Meteorologischer Winteranfang

Der meteorologische Winter beginnt immer am 1. Dezember. Meteorologen teilen das Jahr aus statistischen Gründen in vier feste Dreimonatszeiträume ein.

Der meteorologische Winter umfasst also Dezember, Januar und Februar. Das macht Wetterdaten und Klimastatistiken leichter vergleichbar.

Phänologischer Winteranfang

Der phänologische Winter richtet sich nicht nach einem festen Datum, sondern nach der Natur. Beobachtet werden zum Beispiel Pflanzenentwicklung, Laubfall, Frost, Schneelagen oder das Verhalten von Tieren.

Deshalb beginnt der phänologische Winter nicht überall gleichzeitig. In höheren Lagen oder kälteren Regionen setzt er oft früher ein als in milden Tieflagen.

Warum ist es nach der Wintersonnenwende nicht sofort wieder wärmer?

Nach der Wintersonnenwende werden die Tage zwar wieder länger, aber der kälteste Teil des Winters liegt häufig erst danach. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich.

Der Grund ist die Trägheit von Atmosphäre, Böden und Gewässern. Sie speichern Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Nach der langen Abkühlung im Herbst und Frühwinter dauert es eine Weile, bis die zunehmende Sonneneinstrahlung wieder spürbar wird.

Deshalb sind Januar und Februar in Deutschland oft kälter als der Dezember, obwohl die Tage dann bereits wieder länger werden.

Polarnacht und Mitternachtssonne

Am nördlichen Polarkreis geht die Sonne zur Wintersonnenwende mindestens einen Tag lang nicht auf. Noch weiter nördlich dauert diese Polarnacht mehrere Tage, Wochen oder am Nordpol sogar mehrere Monate.

Auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt. Dort herrscht zur gleichen Zeit Sommer, und in der Nähe des Südpols bleibt die Sonne rund um die Uhr über dem Horizont.

Diese Gegensätze zeigen besonders deutlich, wie stark die Neigung der Erdachse die Jahreszeiten bestimmt.

Wintersonnenwende in Geschichte und Kultur

Die Wintersonnenwende war schon in vielen frühen Kulturen ein wichtiger Zeitpunkt im Jahr. Menschen bemerkten, dass die Tage ab diesem Moment wieder länger wurden. Das wurde oft als Rückkehr des Lichts gedeutet.

Viele Bräuche, Feste und Kalender orientierten sich an Sonnenständen. Gerade in Zeiten ohne moderne Uhren und Kalender waren solche wiederkehrenden Himmelsereignisse wichtige Orientierungspunkte.

Auch heute hat die Wintersonnenwende für viele Menschen eine besondere Bedeutung. Sie markiert den dunkelsten Punkt des Jahres und zugleich den Beginn der langsam zunehmenden Tageslänge.

Weiße Weihnachten und Winterwetter

Der astronomische Winteranfang sagt zunächst nur etwas über den Sonnenstand aus, nicht über das konkrete Wetter. Ob es an Weihnachten Schnee gibt, hängt von Wetterlage, Temperatur, Feuchtigkeit und Region ab.

In Deutschland sind weiße Weihnachten im Flachland eher selten. In höheren Lagen und in den Alpen ist Schnee deutlich wahrscheinlicher als im Tiefland.

Der Klimawandel beeinflusst langfristig auch die Winter in Mitteleuropa. Milde Winterphasen werden häufiger, und Schnee bleibt in vielen Regionen seltener oder kürzer liegen als früher.

Winteranfang beobachten

Den Winteranfang kann man nicht wie eine Sonnenfinsternis als plötzliches Ereignis sehen. Trotzdem lässt er sich gut beobachten, wenn man auf Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und den Sonnenstand achtet.

Rund um die Wintersonnenwende steht die Sonne mittags besonders tief. Schatten sind lang, und der Tag wirkt kurz. Wer über mehrere Wochen die Sonnenauf- und -untergänge verfolgt, erkennt danach langsam die zunehmende Tageslänge.

Auch für Sternfreunde hat der Winter Vorteile: Die Nächte sind lang, und viele helle Wintersternbilder wie Orion, Stier, Fuhrmann, Zwillinge und Großer Hund sind gut sichtbar.

Häufige Fragen zum Winteranfang

Wann ist Winteranfang?

Der astronomische Winteranfang ist auf der Nordhalbkugel meist am 21. oder 22. Dezember. Der meteorologische Winter beginnt dagegen immer am 1. Dezember.

Was ist die Wintersonnenwende?

Die Wintersonnenwende ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne auf der Nordhalbkugel ihren niedrigsten Jahresstand erreicht. Es ist der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres.

Warum werden die Tage nach dem Winteranfang wieder länger?

Nach der Wintersonnenwende verändert sich der scheinbare Sonnenlauf wieder in Richtung längerer Tage. Die Sonne steigt mittags langsam höher, und die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nimmt zu.

Ist der Winteranfang immer am 21. Dezember?

Nein. In Deutschland liegt der astronomische Winteranfang meistens am 21. Dezember, manchmal aber auch am 22. Dezember. Der genaue Zeitpunkt verschiebt sich von Jahr zu Jahr.

Warum ist es im Winter kalt?

Im Winter steht die Sonne flacher am Himmel, und die Tage sind kürzer. Dadurch erreicht weniger Sonnenenergie den Boden. Das hat nichts damit zu tun, dass die Erde im Winter besonders weit von der Sonne entfernt wäre.

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