Arktur, auch Arcturus oder Alpha Bootis genannt, ist einer der auffälligsten Sterne am Nachthimmel. Er ist der hellste Stern im Sternbild Bärenhüter und gehört zu den hellsten Sternen, die man von der Erde aus sehen kann. Am nördlichen Himmel ist er besonders markant, weil er hell orange leuchtet und im Frühling sowie im Frühsommer sehr gut zu finden ist.
Zusammen mit Spica im Sternbild Jungfrau und Regulus im Sternbild Löwe bildet Arktur das sogenannte Frühlingsdreieck. Diese große Sternfigur hilft dabei, sich am Frühlingshimmel zu orientieren.
Grundlegende Daten zu Arktur
Arktur ist ein orangefarbener Riesenstern. Astronomisch wird er meist der Spektralklasse K zugeordnet. Seine scheinbare Helligkeit liegt bei etwa -0,05 mag. Damit gehört er zu den hellsten Sternen des Nachthimmels.
Der Stern befindet sich ungefähr 36,7 Lichtjahre von der Erde entfernt. Damit liegt er in unserer näheren kosmischen Nachbarschaft. Im Vergleich zu vielen anderen hellen Sternen ist Arktur also nicht nur leuchtkräftig, sondern auch relativ nah.
Arktur ist älter als die Sonne und vermutlich etwa 7 Milliarden Jahre alt. Damit ist er auch älter als unser Sonnensystem. Die Sonne ist rund 4,6 Milliarden Jahre alt.
Seine Masse liegt nur ungefähr im Bereich der Sonnenmasse, möglicherweise etwas darüber. Trotzdem ist Arktur wesentlich größer als die Sonne, weil er sich bereits zu einem Riesenstern entwickelt hat. Sein Radius beträgt etwa das 25-Fache des Sonnenradius. Seine Oberflächentemperatur liegt bei rund 4.300 Kelvin und ist damit niedriger als die der Sonne mit knapp 5.800 Kelvin.
Warum leuchtet Arktur orange?
Die Farbe eines Sterns hängt stark mit seiner Oberflächentemperatur zusammen. Sehr heiße Sterne erscheinen bläulich oder weißlich. Kühlere Sterne wirken gelblich, orange oder rötlich.
Arktur ist kühler als die Sonne und erscheint deshalb orange. „Kühl“ ist dabei natürlich nur ein Vergleich zwischen Sternen: Mit über 4.000 Kelvin ist seine Oberfläche immer noch extrem heiß.
Weil Arktur ein Riesenstern ist, strahlt er insgesamt viel mehr Energie ab als die Sonne. Seine sichtbare Leuchtkraft ist deutlich höher, und auch im infraroten Bereich gibt er viel Strahlung ab. Für das menschliche Auge sehen wir davon nur den sichtbaren Anteil.
Arktur als alter Riesenstern
Arktur hat die ruhige Hauptphase seines Sternenlebens bereits verlassen. In dieser Hauptphase verschmelzen Sterne in ihrem Kern Wasserstoff zu Helium. Wenn sich der Wasserstoffvorrat im Zentrum verändert, wandelt sich auch der Aufbau des Sterns.
Bei Arktur hat dieser Prozess dazu geführt, dass sich seine äußeren Schichten stark ausgedehnt haben. Deshalb ist er heute ein Riesenstern. Solche Sterne sind groß, leuchtkräftig und besitzen eine vergleichsweise geringe mittlere Dichte.
Arktur gilt außerdem als metallarm. In der Astronomie meint „Metalle“ alle Elemente, die schwerer als Helium sind. Ein metallarmer Stern enthält also weniger schwere Elemente als die Sonne. Das passt zu seinem hohen Alter, denn im frühen Universum gab es noch weniger schwere Elemente als heute.
Ist Arktur außerhalb der Milchstraße entstanden?
Bei Arktur fällt auf, dass er sich anders durch die Milchstraße bewegt als viele Sterne in der Sonnenumgebung. Er gehört zu einer Gruppe von Sternen mit ähnlicher Bewegung, die oft als Arktur-Strom bezeichnet wird.
Daraus entstand die Vermutung, dass Arktur oder ein Teil dieser Sternengruppe ursprünglich aus einem anderen Bereich der Milchstraße oder sogar aus einer ehemals eingefangenen kleineren Galaxie stammen könnte. Sicher bewiesen ist diese Herkunft aber nicht.
Für einen allgemeinen Überblick reicht deshalb: Arktur ist ein alter, metallarmer Stern mit ungewöhnlicher Bewegung. Genau das macht ihn für die Astronomie besonders interessant.
Arktur im Vergleich zur Sonne
Würde Arktur an der Stelle unserer Sonne stehen, sähe unser Sonnensystem völlig anders aus. Der Stern wäre am Himmel eine riesige orangefarbene Scheibe und würde sehr viel mehr Energie abstrahlen als unsere Sonne.
Die inneren Planeten wären unter solchen Bedingungen viel zu heiß für Leben, wie wir es kennen. Die bewohnbare Zone, also der Bereich, in dem auf einem Planeten theoretisch flüssiges Wasser möglich wäre, läge deutlich weiter außen als bei der Sonne.
Trotz seiner Größe würde Arktur aber nicht bis zur Erde reichen. Sein Durchmesser beträgt nur einen Teil des Abstandes zwischen Erde und Sonne. Er wäre also riesig im Vergleich zur Sonne, aber nicht so gewaltig aufgebläht wie rote Überriesen wie Antares oder Beteigeuze.
Arkturs Bewegung durch den Raum
Arktur besitzt eine auffällig starke Eigenbewegung. Das bedeutet: Seine Position am Himmel verschiebt sich im Lauf langer Zeiträume messbar gegenüber weiter entfernten Hintergrundsternen.
Der Stern bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit relativ zum Sonnensystem. In einigen Tausend Jahren wird er der Erde etwas näher kommen als heute. Für Beobachter auf der Erde ändert sich dadurch aber praktisch nichts. Arktur bleibt auch dann ein heller Stern am Nachthimmel.
Über sehr lange Zeiträume betrachtet verändert sich der Sternhimmel allerdings. Sterne bewegen sich durch die Milchstraße, und Sternbilder sind deshalb keine ewigen, unveränderlichen Figuren. Für ein Menschenleben sind diese Bewegungen meist viel zu langsam, um sie mit bloßem Auge zu bemerken.
Verändert Arktur seine Helligkeit?
Arktur zeigt sehr geringe Helligkeitsschwankungen. Solche Schwankungen können durch Bewegungen und Schwingungen in den äußeren Sternschichten entstehen. Bei Riesensternen ist das nicht ungewöhnlich.
Für das bloße Auge sind diese Veränderungen kaum relevant. Arktur wirkt am Himmel vor allem deshalb lebendig und flackernd, weil sein Licht durch die Erdatmosphäre läuft. Luftbewegungen lenken das Sternenlicht ständig leicht ab. Dadurch scheint der Stern zu funkeln.
Entdeckung und Beobachtungsgeschichte
Arktur ist so hell, dass er den Menschen seit der Antike bekannt ist. Viele Kulturen gaben ihm eigene Namen und verbanden ihn mit Geschichten, Kalendern oder der Orientierung am Himmel.
Der Name Arktur leitet sich vom griechischen „Arktouros“ ab. Das wird häufig mit „Bärenhüter“ oder „Wächter des Bären“ übersetzt. Der Name passt zur Lage des Sterns im Sternbild Bärenhüter, das in der Nähe des Großen Bären steht.
Im Jahr 1718 stellte Edmond Halley fest, dass sich helle Sterne wie Arktur, Sirius und Aldebaran gegenüber den alten Sternkatalogen messbar verschoben hatten. Damit wurde klar, dass Sterne eigene Bewegungen am Himmel besitzen.
Schon 1635 soll Arktur außerdem am Taghimmel mit einem Teleskop beobachtet worden sein. Solche Beobachtungen sind schwierig, zeigen aber, wie hell dieser Stern tatsächlich ist.
Hat Arktur einen Begleiter oder Planeten?
In der Vergangenheit gab es Hinweise und Diskussionen darüber, ob Arktur einen Begleitstern besitzen könnte. Auch mögliche planetenähnliche Begleiter wurden zeitweise diskutiert, weil Messungen der Radialgeschwindigkeit kleine Unregelmäßigkeiten zeigten.
Bestätigt ist ein solcher Begleiter bisher jedoch nicht. Die beobachteten Schwankungen können auch durch Vorgänge im Stern selbst entstehen, etwa durch Schwingungen, Konvektionsbewegungen oder Aktivität in den äußeren Schichten.
Deshalb sollte man vorsichtig formulieren: Arktur ist nach heutigem Stand kein gesichert bekanntes Planetensystem. Falls es Begleiter gibt, sind sie bislang nicht eindeutig nachgewiesen.
So findest du Arktur am Himmel
Arktur ist besonders im Frühling und Frühsommer leicht zu finden. Die bekannteste Suchhilfe ist der Große Wagen. Verlängert man den gebogenen Verlauf der Deichsel des Großen Wagens, trifft man auf einen sehr hellen orangefarbenen Stern: Das ist Arktur.
Ein einfacher Merksatz lautet: „Folge dem Bogen zu Arktur.“ Von dort aus kann man weiter zur Spica im Sternbild Jungfrau gehen. So findet man gleichzeitig zwei wichtige Sterne des Frühlingsdreiecks.
Arktur steht im Sternbild Bärenhüter. Verbindet man die helleren Sterne dieses Sternbildes gedanklich miteinander, erinnert die Form etwas an einen Papierdrachen oder eine lange Raute.
Von Deutschland aus ist Arktur in klaren Nächten sehr gut sichtbar. In Städten kann Lichtverschmutzung viele schwächere Sterne überdecken, Arktur bleibt wegen seiner großen Helligkeit aber meist trotzdem gut erkennbar.
Arktur und der Polarstern: nicht verwechseln
Arktur wird gelegentlich mit dem Polarstern verwechselt, weil beide mit Hilfe des Großen Wagens gefunden werden können. Die Suchmethode ist aber unterschiedlich.
Zum Polarstern gelangt man, indem man die beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens verlängert. Arktur findet man dagegen, indem man der gebogenen Deichsel des Großen Wagens folgt.
Der Polarstern steht außerdem fast genau im Norden und bleibt scheinbar an derselben Stelle des Himmels. Arktur wandert dagegen im Lauf der Nacht sichtbar über den Himmel.
Arktur beobachten mit Fernglas oder Teleskop
Arktur ist schon mit bloßem Auge beeindruckend. Ein Fernglas zeigt ihn eingebettet in ein größeres Sternfeld. Mit einem Teleskop bleibt Arktur selbst zwar punktförmig, weil auch ein naher Stern in 36,7 Lichtjahren Entfernung enorm weit weg ist.
Trotzdem lohnt sich die Beobachtung: Rund um Arktur lassen sich weitere Sterne und Himmelsobjekte aufsuchen. Wer den Sternhimmel systematischer erkunden möchte, findet im Bereich Teleskope einen Einstieg in passende Geräte und Bauarten.
Häufige Fragen zu Arktur
Ist Arktur heller als die Sonne?
Ja. Arktur strahlt insgesamt deutlich mehr Energie ab als die Sonne. Von der Erde aus erscheint er aber natürlich nur als Sternpunkt, weil er rund 36,7 Lichtjahre entfernt ist.
Warum ist Arktur orange?
Arktur erscheint orange, weil seine Oberfläche kühler ist als die der Sonne. Die Farbe eines Sterns hängt eng mit seiner Temperatur zusammen.
Ist Arktur ein roter Riese?
Arktur wird häufig als roter oder orangefarbener Riesenstern bezeichnet. Genau genommen wirkt die Bezeichnung „orangefarbener Riese“ besonders passend, weil seine Farbe eher orange als tiefrot erscheint.
Kann man Arktur mit bloßem Auge sehen?
Ja. Arktur ist einer der hellsten Sterne am Nachthimmel und von Deutschland aus sehr gut mit bloßem Auge sichtbar.
Hat Arktur Planeten?
Bislang sind keine Planeten um Arktur sicher bestätigt. Frühere Hinweise auf mögliche Begleiter gelten nicht als eindeutiger Nachweis.